Kopfschmerz: es gibt bessere Behandlung als Tabletten

Oft werden Kopfschmerzen erst bei einer gezielten Frage als Beschwerden angegeben: zu lange schon begleiten sie den Alltag, zu viele Versuche und Ratschläge waren vergebens. Migräne heißt es dann landläufig, obwohl Migräne eine eher seltene Erkrankung ist. Die Hersteller einiger Medikamente wollen das anders sehen. Aber auch der migräneartige Kopfschmerz hat oft behandelbare, d. h. nachhaltig zu beseitigende Ursachen.

 

Immerhin ist der chronische Kopfschmerz nicht bedrohlich. Beim akuten Kopfschmerz oder bei allmählich zunehmendem Kopfschmerz ist eine rasche genaue Abklärung erforderlich.

 

„Über hundert Arten von Kopfschmerz“ – das ist das Raritätenkabinett der Spezialisten. Für die Lösung des Patientenproblems Kopfschmerz ist es besser, die Entstehungswege und damit die Behandlungsmöglichkeiten in den Vordergrund zu stellen.

Mein Stufenplan zur Untersuchung und dann ursächlichen Behandlung chronischer Kopfschmerzen umfasst

  • obere Halswirbelsäule (Kopfgelenke)
  • Nacken und Becken
  • Muskulatur des Nackens und der Schultern, Haltungsstörungen
  • Narben am Kopf oder auch entfernt davon
  • Stress und andere psychische Störungen, Depression

 

Jahre oder Jahrzehnte zurück können Stürze und Verletzungen liegen, die durch Stauchung Störungen der Wirbelsäule oder des Beckens verursacht haben. Das betrifft vor allem die „Kopfgelenke“ (das sind die oberen beiden Halswirbel) und das Becken, die Ileosakralgelenke, die Darmbein und Kreuzbein verbinden. Das letztere fällt mitunter als schiefes Becken auf, ohne die Tragweite und die Behandlungsnotwendigkeit zu kennen. Diese Blockierungen führen zwar nicht zu spürbaren Bewegungseinschränkungen, da der Bewegungsausschlag ohnehin sehr gering ist, aber zu unmittelbaren Schmerzen in der Umgebung, zu Verspannungsschmerzen der angrenzenden Muskeln und zu Gangstörungen, weil die Federung im Becken fehlt. So kompliziert die Vorgänge auch sein mögen: die Untersuchung ist einfach, wenn Arzt nur seine Hände und Augen benützt, und die Behandlung ist es auch, zum Teil kann es der angeleitete Patient sogar selbst. Aber weder Röntgen noch „Röhre“ können etwas aufdecken. Oder umgekehrt: einwandfreie Bilder aus diesen Untersuchungen sagen nichts aus. Bei diesen und den anderen hier beschriebenen Kopfschmerzen handelt es sich um funktionelle Störungen, die nur durch die genaue Schmerzanalyse und körperliche Untersuchung diagnostiziert werden.

 

Sind die Gelenke der Wirbelsäule und des Beckens frei beweglich, kommt als Nächstes die Muskulatur in den Fokus. Grundsätzlich können drei Veränderungen Kopfschmerzen machen: die Überbeweglichkeit, Muskelverspannungen und Muskelverkürzungen. Aus der Beschwerdeschilderung kann man das schon unterscheiden, den Rest klärt die Untersuchung.

  • Kopfschmerzen morgens beim Aufstehen, allmählich in Stunden nachlassend lassen zunächst an Muskelverkürzungen denken – einfache Selbstbehandlung möglich
  • Kopfschmerzen im Tageslauf bei lange vorgebeugter Sitzhaltung, vor allem bei Schulkindern, sind durch die Überbeweglichkeit und Fehlhaltung ausgelöst.

 

Kopfschmerzen nach starker Belastung durch Tragen, aber auch bei nervlicher Anspannung kommt meist aus Muskelverspannungen, kombiniert mit Nackenwirbelblockierung. Nach der akuten Störungsbeseitigung durch ärztliche Maßnahmen ist die eigene körperliche Aktivität entscheidend für den weiteren Verlauf.

 

Vor allem wetterabhängige Kopfschmerzen sind verdächtig auf Auslösung durch „Störfelder“, insbesondere Narben. Zunächst suchen wir am Kopf, im Gesicht, im Rachen nach Mandel-Operation, am Hals nach Schilddrüsen-Op. Aber auch weiter entfernt kann der Störenfried sein, etwa an Händen. Man muss suchen und vielleicht auch probieren, ob schon das Entscheidende gefunden ist. Die Behandlung erfolgt durch Infiltration der Narben (Einspritzen eines örtlichen Betäubungsmittels in das Narbengebiet) oder mit einem homöopathischen Mittel.

 

Manches Problem macht Kopfzerbrechen. Diese Redewendung sagt schon aus, was altes Volkswissen ist: Der seelische Zustand spielt eine wichtige Rolle: Stressbelastung, Problemdruck, Konfliktspannung, Angst und nachhaltiger Ärger. Zum Teil beeinflusst er über die oben genannten Mechanismen die Häufigkeit und Stärke der Kopfschmerzen, also über Verspannungen und Aktivierung der Störfelder. Zum Teil sind es eigenständige Kopfschmerzen, etwa bei Depressionen. Je nach dem sind Entspannungstechniken wie autogenes Training, Stressbewältigungstraining oder auch eine medikamentöse Depressionsbehandlung erforderlich. Link Autogenes Training

 

Es bleiben weniger häufige Ursachen, die allerdings schon bei der Beschwerdeanalyse auffallen können, aber auch bei Versagen der Therapieansätze nochmals geprüft werden müssen. Chronische Vergiftung oder Unverträglichkeit von Arzneimitteln, Störungen der Zähne oder der Kaufunktion, Allergien und Unverträglichkeiten gegenüber Nahrungsmitteln und Getränken, vielfältige andere Organstörungen  - es erfordert kriminalistischer Detektivarbeit, um auch bei seltenen Erkrankungen die Lösung zu finden. Aber die medikamentöse Schmerztherapie bleibt uns immer offen, damit sich niemand mit Kopfschmerzen plagen muss. Aber das ist dann eher die Ausnahme.